Herbstgespräch Donnerstag, Nov 5 2009 

bunte Blätter

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Die Sonne schleicht nur noch daher,
zieht matt am Horizont entlang.
Die Bäume frösteln kahl und leer,
am Wegesrand die kalte Bank.
Die Vögel sind verstummt.
Ich  laufe eingemummt.

Nachbars Kinder mit bunten  Mützen
laufen vergnügt durch  alle Pfützen.
Im Nebel sind sie gut zu sehen.
Ich schaue zu und bleibe stehen.
Blätter ausgefranzt mit Narben
schimmern feucht in allen Farben.

Wo  kommen sie her, wo gehen sie hin?“
Sie bringen mir ein schönes buntes,
fragen nach dem Sinn.
Drauf musst Du vorbereitet sein.
„Das Blatt? geht wieder  in den Kreislauf ein,

den Kreislauf der Natur.“
Dort ruht es nur.
„Wie lange?“,  will die Kleine wissen.
„Nur bis zum nächsten Jahr.“
Skeptisch fragt ihr Bruder:
„Ist das auch wirklich wahr?“

© bmh

Bruni hat mir die letzte Strophe verbessert. Sie hatte eine Schwachstelle. Oft ist es schwer, das Gedachte und im Verstand fixierte wieder aufzulösen.

So gelesen hört es sich wirklich gut an:

…Wo  kommen sie her, wo gehen sie hin?“
Sie bringen mir ein schönes buntes,
fragen nach dem Sinn.
Drauf musst Du vorbereitet sein.
„Das Blatt? geht wieder  in den Kreislauf ein…

Der Kreislauf der Natur
verändert nur
das Blatt,
das sommersatt
vom Baume fällt.
Zu Erde wird es
und vergeht
bis Frühlingskraft
mit großer Macht
uns neue feinste
Blätter schafft.

© Bruni Kantz

Der eitle Pfau Samstag, Okt 31 2009 

stolzer Pfau

Ein alter Pfau schlägt oft sein Rad,
blickt prüfend in die Runde,
ob sein Gebalz und sein Getu’
auch wirkt zu später Stunde.
Er fühlt sich wie im Sonnenbad.

„Oh, stolzer Pfau, wir lieben dich!“

Viele Hühner scharen sich
um ihn, weil Schönheit hier
gepaart mit Macht.
Sein Anblick ist
von edler Pracht.

Das treibt den Pfau so richtig an.
„Ob ich das öfter machen kann?“

Die Brust nach vorn,
den Kopf sehr hoch:
„wär doch gelacht,
das schaff ich noch.“

Mutter Erde im Herbst Dienstag, Okt 27 2009 

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Still trägt sie ihre Frucht
bedeckt sich keusch mit buntem Laub
wärmt sanft in sich gekehrt
was still sich von ihr nährt

© bmh

WortfängerInnen Mittwoch, Okt 21 2009 

Wortfängerin rote Blume

In unsrer Mitte
ist ein Ort,
still ist es dort.

Hier kann man
verweilen.

Aus dieser Quelle
Worte fließen.
Wir fangen sie ein,
lassen sie sprießen.

© bmh

Bei Bruni gelesen: Ich dachte hier, ich dachte dort, ich dachte fast an jedem Ort …

http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2009/oktober/denken/

Wolkenbilder Samstag, Okt 17 2009 

Ich hatte nur kurz weg geschaut,
das Nilpferd war verschwunden.
Dafür sah ich jetzt eine Braut
mit einem schönem Schleier.

In Eile naht in Grau zur Feier
der Bräutigam, er trägt Zylinder.
Ihm folgen brav in Sonnengelb
drei zarte Blumenkinder.

Jetzt hab ich meine Bahn versäumt -
hier auf der Bank zu lang geträumt
von Blumenkindern und Zylindern
und wie der liebe Bräutigam
auch noch zu spät zur Hochzeit kam.

Jetzt tritt er ungestüm auf ihren Schleier
und aus ist’s mit der Hochzeitsfeier.
Aufgelöst hat sich das Märchen.
Die beiden werden doch kein Pärchen.

© bmh

Der Falke Dienstag, Aug 18 2009 

Vogelflug

***

Es muss kein Adler sein
der mich zum  Höhenflug  verleitet
der stolze Falke gleitet
mit dem Wind
fein abgestimmt
und nimmt mich mit

© bmh

schönheit der zeit Samstag, Aug 15 2009 

leise durchdringt sie
in allem singt sie
mit allem schwingt sie
verklingt sie mit uns?

© bmh

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Helmut Maiers Gedicht hat mich zu diesem Gedicht animiert.

http://www.maierlyrik.de/blog/2009/08/06/gestreckter-zeitwert/#comment-107917



gelungen?/ Poesie im Terzett Donnerstag, Aug 13 2009 

Da nahm er Ton in seiner Langeweile
und schaffte spielerisch sein Ebenbild -
ganz ohne Eile.

Mein Schöpfer amüsierte sich,
beugte sich sachte über mich,
atmete sanft.

Meine Gefühle
erwachten sanft
in  morgendlichen Kühle.

Ich torkelte. Er musste lachen.
Beim nächsten Mal, denkt er,
werd ich den Tönernen
ein wenig besser machen.

© bmh

*

*

manacur sagt im Kommentar:

Torkeln

Aus Ton gemacht
und dann daraus …

bruni kantz sagt im Kommentar:

Aus feuchtem braunem Ton gemacht,
auf die Schnelle zum Trocknen gebracht …

Tränen perlen Donnerstag, Aug 6 2009 

141986_R_by_bbroianigo_pixelio.de

verstohlen fallen Tränen
neben die Espressotasse

behutsam sammelt
der Ober sie ein

halb voll das Glas an der Bar
jede Perle eine Geschichte

© bmh

Donna hat dieses Bild dazu gestellt. Es passt  sehr gur zum Gedicht. Danke Donna.

http://www.medeasy.de/common/wp-content/uploads/2009/01/edward-hopper-automat.jpg

Loslassen Montag, Aug 3 2009 

Urlaub

Ich lass mich fallen,
nur ein Stück.
Ein Abgrund gähnt.
Schnell zieh ich mich vom Rand zurück.

Ich lass mich fallen, fallen,
heut ein kleines Stückchen weiter.
Doch schnell tret ich den Rückweg an.
Mir scheint, es ist gescheiter.

Ich lass mich fallen, fallen, fallen
und finde langsam dran Gefallen.
Sinken, schweben, steigen,
leichter wird mein Flug.

Ich spüre, atme langsam
und bekomme nicht genug.
Ich lass mich fallen.

© bmh

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