Mit ihm geht Frau  nicht gern zum Supermarkt.
Ihr scheint es, er verargt ihr den Genuss bei Einkaufen.
Sie liebt es hin und her zu laufen,
die Waren zu betasten, nachzudenken,
sie möchte doch kein Geld verschenken!

Er ist genervt, hat seine liebe Not,
denn sie prüft jedes Angebot
und meint, es könnte doch nicht schaden.
Er steht herum,  es schmerzen ihm die Waden.

Geht er allein einkaufen, möchte er  schnell fertig sein
und ganz genau so kauft er ein -
mit einem Zettel ! ?
Weder rechts noch links geschaut.
Ihr graut

Wo bleibt denn da der Lustgewinn?
Bei ihr zieht sich der Einkauf hin,
bis dass sie voll bepackt nach Hause fährt,
den Kühlschrank füllt, der, wie ihr scheint,
doch allzu sehr geleert.
Nun freut sie sich, dass alles wohl bestellt.

Er ist genervt!? Warum um alles in der Welt?
Sie findet Antwort. In der Zeitung steht,
wie ein Mann einkaufen geht.
Endlich kann sie es begreifen.
Vor tausenden von Jahren musste er
die Beute schnell nach Hause schleifen.
Sie hatten keinen Kühlschrank dazumal.
Es musste geradewegs und schnellstens gehen
im Neandertal.

War sie mit ihresgleichen ausgeschwirrt,
hat man gelacht, gezwitschert, ist im Wald herum geirrt.
Doch eines Tages setzten sie sich bei der Beerensuche
laut schnatternd unter eine Buche.
„Mal ruhig,“ sagt die Älteste, „wie woll’n wir uns orientieren?
Von jetzt an werden wir den Weg markieren!“
Geknickte Zweige schafften Übersicht,
ganz ohne Hinweisschilder geht es eben nicht.

Das gilt bis heute. Beschriftete Gänge
erlauben das Einkaufen ohne Zwänge.
Sie  haben Spaß, wie damals dort im Wald.
Im Supermarkt ist’s wohlig warm dazu und nicht so kalt.
Sie müssen keine weiten Strecken laufen,
den Einkaufswagen füllen – einfach nur einkaufen.
Der Supermarkt ist für sie da, das ist ihre Domäne.
Er wartet schlecht gelaunt  und beißt sich auf die Zähne.

Hier fühlt sie sich zu Hause. Ja, das ist ihr Reich.
Freundlich ruft sie aus dem nächsten Gang:
„Schatz, ich komme gleich.“

©  giocanda